Die Waschbaeren kommen
Hilfe! 
Auf meinem Dachboden
wohnt ein Waschbär!
Wie schafft es der
Waschbär in mein
Haus zu kommen?
Dürfen Waschbären 
bejagt werden?
Ich möchte einen
Waschbär als 
Haustier halten.

Hier geht es um einen Neubürger in Europa:
Den Waschbär und speziell auch um die Konflikte zwischen Waschbär und Mensch im Siedlungsraum

Meldung der HNA/Sollinger Allgemeine vom 6. Dezember 2006, Aufmacher der Titelseite
Waschbär liebt Südniedersachsen
Die Zahl der Waschbären in Niedersachsen nimmt nach Angaben des Landwirtschafts- ministeriums rasant zu. Dies spiegele sich auch in den Zahlen des neuen Landesjagd- berichtes wieder, sagte Sprecher Gert Hahne am Dienstag. Danach sind im vergangenen Jahr niedersachsenweit mehr als 2400 Waschbären geschossen worden, rund 50 Prozent mehr als im Jahr 2004. Absoluter Schwerpunkt der Waschbärenpopulation ist dabei Süd- niedersachsen. Allein im Landkreis Göttingen wurden 2005 fast 900 Tiere erlegt, 521 waren es im Landkreis Northeim. Vor 20 Jahren waren in Niedersachsen nur rund ein Prozent der heute erlegten Tiere geschossen worden. Frei lebende Waschbären gibt es in Deutschland erst seit 1934. Damals setzte das Forstamt Vöhl am Edersee einige Exemplare aus. In Niedersachsen waren die ersten Waschbären 1952 nahe Hardegsen nachgewiesen worden.
siehe dazu auch: Verbreitung in Deutscland

Hier geht es zu meinen Fotos bei fotolia
(da gibt es allerdings keine Waschbären ! )                      

www.projekt-waschbaer.de Projekt Waschbär im Müritz-Nationalpark

Hier finden Sie Infos und eine Kontaktadresse zum aktuellsten Forschungsprojekt über Waschbären in Deutschland

Auf dieser Website finden Sie:

ZusatzinformationenWaschbär-Bücher zum Buch “Die Waschbären kommen”.
   Ein Buch über Waschbären und wie man mit ihnen
   vernünftigerweise umgehen sollte

Zeitschriftenartikel, Bilder, Postkarten,

Infos zur Ausstellung
 “Das heimliche Leben der Waschbären”

Verbreitungskarte des Waschbären in Deutschland aufgrund der Jagdstrecken

Bücher zum Thema Waschbär

Sie haben Probleme mit Waschbären im Haus oder Garten?

Sie  brauchen mehr Informationen?
Sie haben eine Geschichte zu erzählen?
Dann stellen Sie Ihre Frage an den Autor oder
schreiben Sie einen Beitrag für die
Rückmeldungen!

Wesentliche Erkenntnisse zu diesem Thema wurden beim Forschungsprojekt
»Untersuchungen zur Ökologie urbaner Waschbär-Vorkommen am Beispiel der Stadt Kassel« in den Jahren 2001 und 2002 gewonnen.
Infos dazu auf der Seite
Kassel und bei www.gwn.de

Der folgende Text wurde anlässlich der Sonderausstellung
“Das heimliche Leben der Waschbären”
im Kasseler Naturkundemuseum als Faltblatt veröffentlicht.
Ausführlich gibt’s das ganze im Buch
“Die Waschbären kommen”, das Sie über den Buchhandel oder hier bestellen können und zusätzliche Informationen finden Sie hier auf den Stadt-Waschbären-Seiten.

Stadt-Waschbären
Wissenswertes und praktische Tipps für einen Klugen Umgang mit Waschbären in der Stadt

1. DAS TIER MIT DER ZORROMASKE

Waschbär im Dach, Foto: I. BartussekWaschbären sind kleine Raubtiere aus der Familie der Kleinbären. Sie sind, wie auch alle näher verwandten Arten, in Amerika beheimatet. Im letzten Jahrhundert wurden viele Waschbären nach Europa eingeführt, um sie in Pelztierfarmen zu züchten. Einige sind daraus entflohen, andere wurden absichtlich freigelassen. Heute sind sie mehr oder weniger häufig in fast ganz Deutschland anzutreffen. Und sie sind – auch von Gesetzes wegen – ein Bestandteil der heimischen Tierwelt geworden. Im nordhessischen und südniedersächsischen Raum sowie in Brandenburg östlich von Berlin liegen die Schwerpunkte der Verbreitung.

Die Erkennungsmerkmale der etwa katzengroßen Tiere sind die typische schwarzweiße Gesichtszeichnung, der zumeist geringelte Schwanz, das graue oder schwarze Fell und  die pummelige und buckelige Gestalt.

Waschbären sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind sehr gute Kletterer, aber schlechte Sprinter und miserable Springer.

Ihre Vorderpfoten sind mit einem hochentwickelten Tastsinn ausgestattet, den sie zur Nahrungssuche einsetzen. Das tun sie besonders gerne am Grund von flachen Gewässern, aber ebenso auf dem Boden und in Bäumen. Die Nahrung setzt sich aus jeglicher Art Kleingetier und einem erheblichen pflanzlichen Anteil zusammen (Früchte, Nüsse, Eicheln, Mais etc., aber kein Grünfutter).

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Waschbären keine Einzelgänger, sondern die weiblichen und männlichen Tiere leben in jeweils eigenen sozialen Zusammenhängen. Einmal im Jahr, meist Mitte April, werden 2-5 Junge zur Welt gebracht.

Waschbären gehören zu den intelligentesten Tieren, die in Europa leben.

2. WASCHBÄR UND MENSCH

Alles was ein Waschbär braucht, findet er auch in menschlichen Siedlungen, und zwar in großen Mengen und von hoher Qualität. Es ist daher ganz natürlich, dass er diesen Lebensraum auch nutzt, so wie es Amsel, Igel, Fuchs & Co. ebenfalls tun.

Gebäude eignen sich hervorragend, um sich zu verstecken, den Tag zu verschlafen, die Jungen aufzuziehen und die kalte Jahreszeit zu überstehen. Der Aufstieg auf das Dach gelingt dabei zumeist über das Fallrohr der Regenrinne, angrenzende Bäume, eine Fassadenbegrünung oder die Gebäudeoberfläche, wenn sie zum Klettern genügend Halt bietet. Über verschobene Dachziegel oder andere Schwachstellen, die z.T. geöffnet oder vergrößert werden, geht es dann auf den Dachboden, in Zwischendecken usw. oder direkt in den Schornstein. Bäume mit Höhlen, die diese Bedürfnisse im Wald erfüllen, stehen auch in der Stadt zur Verfügung. Sogar die Kanalisation wird als Schlafplatz genutzt.

Waschbären am Papierkorb, Foto: I. BartussekDie Ernährungsmöglichkeiten in der Stadt sind wie im Waschbären-Schlaraffenland: Regenwürmer auf kurzgeschorenem Rasen, vernachlässigte Obstbäume usw, vor allem aber Speisereste auf dem Kompost, in Mülltonnen, öffentlichen Papierkörben und hinter Imbissbuden - und das rund ums Jahr. Nicht zu vergessen ist das Futter, das so mancher wohlmeinende Waschbärliebhaber in erheblichen Mengen bereitstellt. Die Ursache der z.T. sehr großen Zahl von Waschbären in urbanen Räumen ist dieses hochwertige Nahrungsangebot, das die Stadtbevölkerung hinterläßt und das die Waschbären zu nutzen wissen. Nur durch eine Verknappung dieser Nahrungsgrundlage ließe sich die Populationsdichte der Stadt-Waschbären nachhaltig reduzieren. Da aber eine beträchtliche Anzahl von Waschbären in jedem Fall in der Stadt ihr Auskommen findet, müssen Sie außerdem wirksame Maßnahmen zum Schutz Ihres Hauses ergreifen.

 

 

3. DAS IST SINNVOLL ZU TUN

Das Sinnvollste, was Sie in diesem Zusammenhang überhaupt tun können, ist die NAHRUNGSGRUNDLAGE der Waschbären KNAPP zu HALTEN!

Dazu ein paar Tipps:

Müll und Abfälle unzugänglich aufbewahren.

Müll- und Biotonnen mit starken Spanngummis sichern und mindestens einen halben Meter entfernt vom Zaun oder einer Mauer (Auf- und Einstiegshilfen!) aufstellen.

Gelbe Säcke erst morgens herausstellen oder in verriegelbaren Boxen aufbewahren.

Keine hochwertigen Speisereste (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot, Obst etc.) auf den Komposthaufen werfen. Unproblematisch sind Garten- und Gemüsereste, Kartoffelschalen usw. Eventuell können stabile und verschließbare Schnellkomposter helfen.

Keine Nahrungsmittelreste in offen zugänglichen Abfallkörben in Parks, etc. hinterlassen.

Hochstämmige Obstbäume können durch eine etwa 1m hohe, glatte Metallmanschette, die keinerlei Haltemöglichkeiten bieten darf, geschützt werden. Es dürfen aber keine Überstiegsmöglichkeiten von benachbarten Bäumen, einem Haus oder Schuppen bestehen.

Reifes Obst und Beeren ernten und Fallobst aufsammeln.

Haustiere nicht draußen füttern oder die Reste abends ins Haus räumen.

DAS HAUS SICHERN

Waschbär am Fallrohr der Regenrinne, Foto: I. BartussekDen Aufstieg auf’s Dach verhindern durch glatte Blechmanschetten (1m hoch, 1m breit), die sich um die Fallrohre der Regenrinnen schmiegen.

Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, großzügig einkürzen

Einstiege konsequent und mit soliden Baumaterialien schließen.

Ein starkes Metallgitter auf dem Schornstein anbringen.

Ein schwer zu sicherndes Haus mit einer Elektrozaun-Anlage ausstatten.

Nachts die Katzenklappen verschließen oder einen Vorbau bauen, der nur springend, nicht kletternd überwunden werden kann.

 

HAUSTIERE IMPFEN UND ENTWURMEN

Haustiere die Kontakt mit Wildtieren haben, gegen Tollwut und Staupe impfen und regelmäßig entwurmen. (Die Waschbärtollwut ist in Amerika ein großes Problem, spielt aber in Europa (bislang?) keine Rolle.)

LATRINEN SÄUBERN

Bestimmte Stellen, oft auf dem Dachboden, werden von mehreren Waschbären als “Toilette” benutzt. Der Kot in diesen Waschbär-Latrinen stellt eine Infektionsgefahr mit den Eiern des Waschbär-Spulwurmes dar, wenn diese über den Mund aufgenommen werden. Die Wurmlarven können dann in verschiedene Organe und Gewebe wandern. Schwere Erkrankungen wurden beim Menschen aber extrem selten beschrieben.
Kot der weniger als zwei Wochen alt ist, enthält noch keine infektiösen Spulwurmeier. Danach besteht die Ansteckungsgefahr aber mehrere Jahre lang.

Kinder, insbesondere Kleinkinder, und Haustiere von Latrinen fernhalten.

Exkremente regelmäßig entfernen, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Vorsichtsmaßregeln, die Sie beim Säubern einer Latrine beachten sollten s. Maßnahmen

AUSSTIEGE SCHAFFEN

Schaffen Sie Möglichkeiten für den Ausstieg aus Swimmingpools und Regentonnen und
 - bei Bedarf - für Jungtiere vom Dachboden herunter.
 

4. DAS SOLLTEN SIE LASSEN

FÜTTERN

Waschbären brauchen Ihr Futter nicht! Sie finden im Siedlungsgebiet mehr als genug!
Futterzahme Tiere können dreist und aggressiv werden. Wenn Sie regelmäßig größere Mengen füttern, vermehren Sie den Bestand an Waschbären und damit auch die Probleme, die es mit ihnen gibt. Sie tun damit weder sich noch Ihren Nachbarn einen Gefallen, aber auch den Waschbären nicht: Es gibt nur Verlierer!

FANGEN, TÖTEN, DEPORTIEREN

Es sind viel zu viele Waschbären, um mit den erlaubten jagdlichen Mitteln im städtischen Umfeld eine nachhaltige Bestandsreduzierung bewirken zu können, denn Waschbären können hohe Verlustraten durch vermehrte Fortpflanzung ausgleichen: Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Jungtiere kommen nach. Die vielen Jungtiere machen aber u.U. mehr Probleme als die Alten, und die Gefahr einer Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten wird durch die abwandernden Jungtiere erhöht statt vermindert. Ein Waschbären, den Sie z.B. im Kasseler Nordwesten fangen und “weg”bringen oder töten (lassen), ist nur einer von fünfzig, die bei Ihnen manchmal vorbei schauen.

VERGRÄMEN

Lärm machen; Radio, Kassetten oder Ultraschallgeräte laufen lassen; Anleuchten; das ganze durch Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder gesteuert; Mottenkugeln, Pfefferstreu, mit ammonikhaltigen Flüssigkeiten (WC- und Rohrreiniger) oder mit Hunde-/Raubtier-Urin getränkte Lappen oder benutzte Babywindeln auslegen und dergleichen mehr: Das alles kann Ihnen viel Arbeit machen, der Erfolg wird sich – wenn überhaupt – nur kurzfristig einstellen und zum Schluß werden Sie sich selbst mehr gestört fühlen als die Waschbären.

FALSCHE BAUMASSNAHMEN

Halbherzige Versuche, Aufstiegsmöglichkeiten zu verhindern und Einschlupflöcher zu schließen, können im Endeffekt mehr Schaden verursachen als verhindern. Denn die Waschbären werden versuchen, die Einstiege mit Gewalt wieder zu öffnen oder andere Schwachstellen zu finden und damit neue Schäden verursachen.
Stachelkränze um das Fallrohr der Regenrinne sind eine Aufstiegs-Hilfe!

WAISENKINDER AUFPÄPPELN

Es ist unverantwortlich Findelkinder im Haus oder unter ungeeigneten Bedingungen aufzuziehen und später in der Stadt laufen zu lassen oder im Haus oder in einem Gehege zu halten.

Kaufen Sie keinen Waschbären als “Haustier” - er ist keines und wird nie eines!

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